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| Kapitel 3 |


Aber
die ist im rüseligen Pressezentrum schwer einzunehmen. Die Botschaften
hier sind anderer Art: „Roland Koch kommt sehr knapp.“ Nach einigen
Minuten Erlösung wenigstens für die Organisatoren: „Der
Ministerpräsident ist eingetroffen. Alle Ehrengäste haben ihre Plätze
eingenommen.“
Geschäftigkeit „auf allen Kanälen“.
Nur nicht beim Bischof. Er betet sich mit tiefem Frieden in den Tag. Es
ist 14.55 Uhr. Der Neue erlebt das herzliche Willkommen der Menschen vor
dem Dom und in der Kirche und begreift unmittelbar, „dass Gott mich an
diesen Ort gerufen hat und mir Menschen an die Seite stellt, die mich in
dieser großen Aufgabe unterstützen.“
Im Hohen Dom zu Limburg beginnt die Zeremonie. „Komm Heiliger Geist,
Herre Gott“, ruft die Orgel, und die Gemeinde betet für den neuen
Bischof, „dass er uns entflammt durch seinen Eifer, uns trägt durch
seine Liebe, uns stärkt durch seine Geduld, uns erhält in der Freude des
heiligen Geistes.“ >
Joachim Kardinal Meisner,
Metropolit der Kölner Kirchenprovinz, bittet den Apostolischen Nuntius,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, die von Papst Benedikt
unterzeichnete Ernennungsurkunde zu überreichen.
Périsset gibt sie dem neuen Bischof, der händigt sie Domdekan
Weihbischof Gerhard Pieschl aus. Pieschl wendet sich dem Domkapitel zu
und führt den Herren die Urkunde vor Augen. Mit heiteren Gesichtern
prüfen sie die Bulle und nicken. Sie befinden alles für echt und gut.
Jetzt verliest Pieschl die Ernennung, in der Benedikt dem Bischof
„herausragende Gaben“ zuspricht. Pieschl geht zurück zu Tebartz-van Elst
und sagt: „Mit Freude stelle ich fest, dass Sie der neue rechtmäßige
Bischof von Limburg sind.“
Meisner führt Tebartz-van Elst zur Cathedra, zum bischöflichen
Stuhl, und sagt: „Ich bitte Sie, Ihr Amt anzutreten, indem Sie auf der
Kathedra des Bischofs von Limburg Platz nehmen.“
Tebartz-van Elst folgt. Als er zum ersten Mal vom Stuhl Besitz nimmt,
wird ihm bewusst, was Kardinal Meisner zuvor in seiner Hinführung über
die Bedeutung der bischöflichen Verantwortung verkündet hat. Tebartz-van
Elst später gegenüber dem KB: „Das Hinsetzen wurde zugleich zur
leibhaftigen Erfahrung, getragen zu sein.“
Altbischof Franz Kamphaus kommt heran und übergibt seinem Nachfolger den
Hirtenstab. Mit zitternder Stimme spricht er: „Empfangen Sie den
Petrusstab der Limburger Bischöfe. Tragen Sie Sorge für die Herde
Christi. Der Heilige Geist, der Sie zum Bischof bestellt hat, möge Ihnen
helfen, das Volk Gottes zu leiten.“ Der Neue nimmt den Stab fest und
zugleich behutsam. Kamphaus sieht seinen Nachfolger wie bittend an - ein
inniger Augenblick. Der Neue sagt dem Scheidenden langsam, bewegt und
mit gleicher Innigkeit: „Danke“. Laut und froh stimmt die ganze Gemeinde
zu: „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen.“
Dankbarkeit
empfindet der Bischof auch anderen gegenüber. Direkt vor sich im Dom
sieht er seine liebe Mutter Maria und die ganze Großfamilie. Diese
Nähe ist ihm wie ein sprechendes Bild. Dem KB sagt er: „Mir wurde
bewusst, auf welchem Fundament mein Leben und meine Berufung zum
priesterlichen Dienst gewachsen sind. Heimat und Glaube hängen eng
zusammen. Glaubwürdige Menschen prägen die Anziehungskraft der Kirche.“
Am Ende eines bewegenden Tags konnte
man ein kleines
Häppchen gut verkraften:
Maria Tebartz-van Elst, die Mutter des
Bischofs.
Foto: Delia Evers
Die dichte Gebetsatmosphäre trägt und
bekräftigt ihn. Priester und Diakone erneuern vor ihm ihr
Treueversprechen; Vertreter der Orden, der pastoralen Mitarbeiter, der
synodalen Gremien und der Caritas bekunden ihre Verbundenheit.
Franz-Peter Tebartz-van Elst hält seine erste Predigt als Herr des
Hauses, das ihm schon jetzt Zuhause sei, denn „Heimat gibt es, wo
Menschen im Glauben beieinander sind. ... Wo Menschen den Mehrwert des
Glaubens in sich tragen, wird sie das Bewusstsein nicht erschüttern,
Minderheit zu sein“, sagt er ermutigend. „Wo die Kirche Konturen hat,
wird Glaube anschaulich.“ Kirche dürfe sich nicht in Strukturdebatten
verlieren, sondern müsse missionarisch ausstrahlende Kirche sein. „Wo
wir gemeinsam und geistlich den Weg des Glaubens gehen, vermittelt sich,
dass Kirche nicht aus Sitzungen und Satzungen lebt.“

| Kapitel 3 |
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© Martin Willing 2012, 2013