Blattgeflüster | Carl Osterwald im Gespräch

Es gibt Gespräche, die sind unvergesslich, auch wenn ich als Journalistin Hunderte geführt habe. Das Gespräch mit Carl Osterwald gehört dazu. Er ist 94 Jahre alt und bekennt eine ganz persönliche Kriegsschuld.

Mit ihm habe ich für mein Trauerkraftwerk über Trauer in Kriegszeiten gesprochen. Die Aufzeichnung unserer Unterhaltung ist gerade als 8. Podcast-Episode online gegangen. Die Verbrechen in der Ukraine gaben den äußeren Anlass.

Trauer gibt es in vielen Bereichen, Trauer bei den Opfern und – manchmal späte Trauer – bei den Tätern.

Das Grundübel bleibt immer gleich: Menschen machen Menschen zu Feinden, um Macht über sie zu gewinnen.

Carl Osterwald hat anderes im Blick. Er stellt Fragen: Was zählt im Leben wirklich? Wie werde und bleibe ich meiner Verantwortung gerecht?

Seine Antworten hat der evangelische Pastor im Ruhestand in einem sehr persönlichen Buch zusammengefasst und 2021 herausgebracht. Da war er 93.

Buchtitel

Carl Osterwald erzählt darin Geschichte anhand selbst erlebten Geschichten, die ihn durch die halbe Welt geführt haben. Er begegnet sich darin quasi selbst, geht mit sich ins Gericht und zeichnet ohne Eigenschonung sein Leben nach, auch den Tag, an dem er einen Menschen erschoss, und den Tag, an dem er „nie wieder“ sagte.

Carl Osterwald setzt im Buch nicht auf Emotionen, dafür ist das Werk zu nüchtern verfasst. Er setzt auf die Kraft von Vernunft und Liebe oder konkreter: von Verantwortung und Mitgefühl. 

Für mich liest sich das Werk wie ein Lehrbuch über gelingendes Leben nach einem Schock. Das Taschenbuch ist gut lesbar geschrieben, ehrlich, von großer Offenheit, Menschenfreundlichkeit – und Weisheit.

Es heißt „Von des Daseins Offenheit“, wurde hergestellt und verlegt bei „Books on Demand“ und ist unter der ISBN 978-3-7543-3735-6 über den Buchhandel zu beziehen. Es umfasst 494 Seiten und kostet 15 Euro.

Eine Vita von Carl Osterwald stelle ich in Kürze auf dieser Webseite online.

Über ihn berichtet habe ich bereits in Zusammenhang mit einer Predigt, die er an einem Volkstrauertag in der Lambertikirche Aurich gehalten hatte. Auch damals ging es um Krieg, um Feinde, Flüchtlinge und Frieden.

Die Predigt von damals hat mir nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar den Anstoß gegeben, ihn als Gesprächspartner für meinen Podcast zu gewinnen.

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