Von Professor Dr. Janssen und „Pater Fritz“

Seit 60 Jahren Priester: Friedrich Janssen aus Kevelaer. Blattus-Foto: Delia Evers

Vor wenigen Tagen feierte der gebürtige Kevelaerer Prof. Dr. Friedrich Janssen einen besonderen Tag: 60 Jahre zuvor war er in Rom zum Priester geweiht worden. Er beging das Jubiläum in Vechta. In Kevelaer feiert er nach…

Ganz unspektakulär hatte der Prälat und Universitätsprofessor in Ruhe Dr. Friedrich Janssen schon andere Ereignisse gefeiert, darunter „besondere“ Geburtstage. Immer wieder fuhr sein Volkswagen ihn verlässlich in seine Heimatstadt zu seinen Geschwistern Marianne, Elisabeth und Hubert Janssen, die an der Gelderner Straße ihre familiäre Wohngemeinschaft pflegen.

Sein Geburtshaus liegt quasi auf dem Weg. Wenn Friedrich Janssen die Niersbrücke vor Kevelaer überquert, hat er es im Blick: die Schravelener Mühle.

Dort begann im Mai 1935 sein Lebensweg, den er bald schon ohne Vater beschreiten musste. Die sechs Kinder und ihre Mutter verloren ihn früh. Ein Bruder starb in russischer Kriegsgefangenschaft.

Die Kinder wuchsen katholisch auf. Der Gnadenort war ihnen – erst recht, nachdem sie an den Kapellenplatz gezogen waren – selbstverständlicher Wert ihres Lebens.

Bis 1946 besuchte Fritz die Volksschule in Kevelaer, wechselte zum Gymnasium und zur Gaesdonck. Ab 1955 studierte er Philosophie und Theologie an der Wilhelms-Universität in Münster, an der Päpstlichen Gregoriana-Universität und am Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom. Als er seine Studien 1965 beendete, war er bereits seit einigen Jahren Priester.

1961 war er in St. Ignazio in Rom geweiht worden. 1965 wurde er zum Dr. theol. promoviert. Er verteidigte erfolgreich seine Doktorthese, das Thema: „Dynamische Heilexistenz – Ein Beitrag zum Verständnis des sakralen Gnadenwachstums in der Theologie des heiligen Thomas von Aquin“.

Nach seiner Kaplanszeit in Waltrop begann Friedrich Janssen als hauptamtlicher Religionslehrer am Aufbaugymnasium in Recklinghausen und ab 1968 am Gymnasium in Kleve. Zudem arbeitete er als Subsidiar an St. Markus Recklinghausen.

1968 übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Hubert Janssen die Leitung des Kinderferienwerks Ameland, das Hubert Janssen 1953 gegründet hatte. Im Lauf der Jahrzehnte organisierten sie bis 1988 für einige Tausend Kinder unbeschwerten Urlaub auf der niederländischen Insel.

Ihr Engagement war so weitgehend, dass Papst Paul VI. die Familie Janssen mit Mutter Franziska, den Töchtern Irmgard Kallen aus Kanada, Marianne Janssen und Elisabeth Janssen aus Kevelaer sowie den zwei Söhnen, Berufsschulpfarrer Studienrat Hubert Janssen und eben Dr. Friedrich Janssen, 1971 zu einer Privataudienz empfing und die soziale Tätigkeit des Ameland-Ferienwerks würdigte. Zugleich feierten sie das zehnjährige Priesterjubiläum von Friedrich.

Zwanzig Minuten dauerte die Privataudienz im Paramentensaal des Vatikans. Zum Schluss sagte der Papst in deutscher Sprache zur Janssen-Familie: „Ich bete für Sie und Ihr betet für mich“ – und zu den Brüdern: „Bleibt treue Priester.“

Auf Einladung von Papstsekretär Prälat Georg Gänswein (l.) hielten sich die Brüder Hubert (Mitte) und Prof. Dr. Friedrich Janssen (r.) Anfang Februar 2007 in Rom auf. Friedrich Janssen hatte dort von 1955 bis 1965 studiert und im Oktober 1961 die Priesterweihe empfangen. Als Höhepunkt ihrer Reise erlebten die Brüder eine Audienz bei Benedikt XVI. Foto: Privatarchiv Familie Janssen

Bis August 1972 war Friedrich Janssen beschäftigt als wissenschaftlicher Assistent für katholische Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ruhr in Hagen.

Im September 1972 wurde er „unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit zum Hochschullehrer für Theologie und Religionspädagogik an der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland für Sozialwesen in Vechta-Osnabrück ernannt“. Dr. theol. Lic. phil. Friedrich Janssen erhielt seine Ernennungsurkunde aus den Händen des Hildesheimer Bischofs und früheren Kevelaerer Dechanten Heinrich Maria Janssen. 1976 folgte die Ernennung zum Professor.

Friedrich Janssen suchte immer wieder die Erdung, wollte nicht nur forschen, lehren und publizieren, darunter Werke, die er u.a. bei Butzon & Bercker verlegte: Er stellt sich – seit Jahren im Dekanat Vechta – als Subsidiar zur Verfügung und bleibt so als Seelsorger eng an den Menschen und eng am Evangelium.

Zudem ließ er sich in „handfeste“ Aufgaben einbinden wie seinerzeit in das Ferienwerk und – und ab 1987 z.B. in das Amt des Geistlichen Beirats des Diözesanverbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Von 1997 bis 2013 war er zudem KKV-Bundespräses.

Als Papst Johannes Paul II. Friedrich Janssen 1999 zum päpstlichen Ehrenprälaten ernannte, würdigte er damit auch dessen Verdienste um den KKV.

Im Jahr darauf verabschiedete sich Friedrich Janssen vom universitären Leben. Er tat dies auf seine Weise – mit einer hinreißenden Abschiedsvorlesung. So jedenfalls hielt es die Oldenburger Volkszeitung fest. „Der besser als ‚Pater Fritz‘ bekannte Fundamentaltheologe widmete sich mit der Frage nach dem Sinn des christlichen Seins noch einmal dem zentralen Thema seines Forscher- und Lehrerlebens. Mit langem Applaus dankte das Auditorium – Professoren, Studierende, Vertreter aus Politik und Verbandswesen, aber auch Freunde und Verwandte – für die stringente Zurückweisung Gott verneinender Wissenschaft.“

Ganz ist Friedrich Janssen die Lehre nicht „quitt“. Noch immer bucht die Universität den Professor im Ruhestand hin und wieder für verschiedene Dienste. Denn Janssen ist auch mit 86 Jahren keiner, der stur sein Programm durchzieht: Er sieht sich nicht nur als Lehrenden, sondern auch als Lernenden, der mit Erfahrung und Offenheit Veränderungen schon in der Wortwahl der Studierenden registriert, neue Verläufe ahnt und Erwartungen spürt. „Die Fragen bleiben.“

Wer mit ihm spricht, freut sich an dem Feuer seiner theologischen Darlegungen. Gern wählt er als „Kind aus Kevelaer“ die Mariologie. Natürlich hat seine Prägung als Marienverehrer mit seiner Heimatstadt und seinen Erlebnissen im Kriegsherbst 1944 zu tun, als Dechant Wilhelm Holtmann ihm und zwei anderen Kindern das Geheimnis um die Vergrabung des Gnadenbilds anvertraute.

Marienverehrung ist für ihn nach Papst Paul VI. „höchstes und letztes Ziel der Verherrlichung Gottes“. Marienlob sei Gotteslob. Aus reiner Gnade habe Gott an Maria gehandelt, so dass sie jubeln konnte: „Großes hat der Herr an mir getan.“

Zugleich setze die Gnade das freie Ja des Menschen voraus, das Maria mit ihrem Fiat, „mir geschehe nach deinem Wort“, gesprochen habe. In einem Beitrag für das Wallfahrtsjubiläumsbuch schrieb Janssen einmal: „Der Mensch ist keine Marionette. … Gott zwingt sich dem Menschen nicht auf.“ Gottes Allmacht erweise sich gerade darin, dass sie nicht alles allein vollbringe, „sondern die Kreaturen zum Mittun einlädt, wo immer das möglich ist.“

Das mag Friedrich Janssen gespürt haben, als er Jahre zuvor, am Sonntag, 8. Juli 1962, in Kevelaer seine Heimatprimiz beging und ihn ein feierlicher Zug von Menschen von seinem Elternhaus in die Basilika geleitete; damals schritt er über jene Platte, unter der einst das Gnadenbild vergraben gewesen war. Friedrich Janssen: „Man geht gern an die Stelle zurück. Das Geschehen lässt einen nicht los.“

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