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Die
Politiker im städtischen Kulturausschuss und ihr Vorsitzender Egon
Kammann (CDU) sind einem Trugschluss erlegen. Weil sie sich
als edle Retter der Kulturstadt Kevelaer fühlen, die dem Kultur-Etat das
Skalpell am liebsten ersparen wollen, glaubten sie sich am besten dort
aufgehoben, wo kein Bildungsbürger und kein kritischer Journalist die
Kreise stören: in einer Geheimsitzung hinter verschlossenen Türen.
Kulturausschussvorsitzender Egon
Kammann: Flucht in die Nichtöffentlichkeit.
Sie machten sich das verquere Bild der WfG-Geschäftsführerin Ruth Keuken
von den Aufgaben der öffentlichen Meinung und der Medien zu eigen und
wollen alles, was sie zum künftigen Kulturetat empfehlen, bis zur
Ratssitzung im Februar unter Verschluss halten.
„Ich habe selber darum gebeten, die Presse nicht zu informieren, um
mögliche Entscheidungen des Rats nicht vorwegzunehmen“, wird Keuken,
auch zuständig für die Organisation des städtischen Kulturangebots,
heute in der "Rheinischen Post" zitiert.
Unglaublich,
aber wahr: Die Bürger Kevelaers sollen daran gehindert werden, "durch
Nachfragen und Forderungen die Politik in ihrer Meinungsfindung zu
beeinflussen".
WfG-Geschäftsführer Ruth Keuken:
Die Bürger stören im Meinungsbildungsprozess.
Einen solchen Tiefpunkt in der Politikkultur hat man in Kevelaer bisher
noch nicht erlebt. Zwar sind auch schon früher Räte und Ausschüsse
in die Nichtöffentlichkeit geflohen, wenn sie die Bürgerschaft und ihre
Reaktionen fürchteten. Aber zum ersten Mal wird frank und frei
zugegeben, warum das geschieht: Weil sie die störenden Bürger vom
Meinungsbildungsprozess fernhalten und vor allem die lästigen
Journalisten daran hindern wollen, mit Informationen und Kommentaren das
Meinungsbild in der Öffentlichkeit und damit das der Volksvertreter zu
beeinflussen.
Das aber ist exakt Aufgabe der Medien, und das ist auch gut so und von
der Verfassung und den Pressegesetzen sattelfest abgesichert.
Wer die Arbeitsmöglichkeiten der Journalisten beschneidet, verletzt
gleichzeitig die Demokratie-Kultur. Über diesen Sündenfall der Politik
sind sich die verantwortlichen Personen offenbar nicht im Klaren.
Sie halten sich aus "edlen Gründen" für berechtigt, die Bürgerschaft von
der Meinungsbildung auszuschließen und erst dann zuzulassen, wenn der
Rat die Entscheidungen getroffen hat.
Sie dürfen es nicht und sie sollten es nicht, weil es obendrein geradezu
tölpelhaft ist. Die Bürger werden die Flucht ihrer Vertreter im Rat vor
der Öffentlichkeit entsprechend quittieren.
Freitag, 23. November 2012
© Martin Willing 2012, 2013